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Mittwoch, 16. Dezember 2009Meeresgöttin an der östlichen NordseeküsteGerne würde ich euch an dieser Stelle von einem rauschenden Hochzeitsfest voll exotischer Speisen und ausgelassener Tänze berichten… Allein: An dem im letzten Beitrag angekündigten Fest konnte ich leider nicht teilnehmen.
![]() Seit wann gibt es an der Nordsee Berge?
![]() Mazu Tempel Zhen lan Sehr beeindruckend ist im Übrigen auch die enzyklopädische Bildung der meisten Taiwanesen. Das Schulsystem ist hart und vor allem auf Auswendiglernen ausgelegt. Konkurrenz ist stark und Ranglisten aller Art sind gang und gäbe. So erfährt man beispielsweise in der Schule neben der Note immer, auf welchem Platz man damit in der Klasse steht. Das führt dazu, dass Taiwanesen zu jedem möglichen Gesprächsthema eine Liste bereit haben. Die höchsten Berge der Welt? Die größten Museen der Welt (das National Palace Museum in Taipei liegt selbstverständlich ziemlich weit vorne)? Die sieben meist verbreiteten Getreidearten? Die vier Sprachen der Schweiz? Alles kein Problem. Ohne Nachzudenken kann derartiges Wissen in fester Reihenfolge abgerufen werden. Auch Jahrzehnte nach der Schulzeit. Ein Problem: Fehler in diesen Listen darf es nicht geben – so und nicht anders ist es. So haben wir beispielsweise sehr lange gebraucht, eine meiner Chinesisch-Lehrerinnen davon zu überzeugen, dass Englisch nicht zu den vier offiziellen Sprachen der Schweiz gehört. Selbst meine Beteuerung, dass ich jahrelang in Grenznähe gewohnt habe und mir ganz sicher sei hat ihre Zweifel an unserem Wissen nicht ausräumen können. Ein noch viel größeres Problem: Nachdenken gehört nicht zwingend zur Bildung dazu. So habe ich beispielsweise schon mehrfach folgende „Ureinwohner-Diskussion“ geführt: Meist beginnt diese damit, dass mir ein Taiwanese die 14 Stämme der taiwanesischen Ureinwohner aufzählt. Dann kommen wir zum Thema der Problematik des Umgangs mit denselben. Es folgt die unvermeidbare Frage nach dem Umgang der Deutschen mit ihren Ureinwohnern. Dann das ungläubige Staunen darüber, dass Deutschland so was nicht hat. Wo doch selbst die USA Ureinwohner haben. Es dauert jedes Mal sehr lange zu erklären, warum es im größten Teil Europas keine Ureinwohner in diesem Sinne gibt. Oder eben jede Menge, weil wir ja alle irgendwie die Ureinwohner Europas sind. Oder so ähnlich. Jedenfalls, der Gedanke, dass der Begriff „Ureinwohner“ was mit Migration und Kolonisation zu tun hat, ist vielen Menschen hier scheinbar noch nicht gekommen und auch scheint auch alles andere als unmittelbar einleuchtend zu sein (und ich spreche selbstverständlich von Menschen mit universitärer Bildung). Ansonsten ist mein erstes Quartal hier am ICLP / der Taida ist so gut wie vorbei. Es bleiben nur noch zwei Tage… Meine drei dicken Lehrbücher haben wir tatsächlich in 10 Wochen durchgearbeitet und auch unsere Abschlusspräsentation ist gestern über die Bühne gegangen. Ein Kommilitone und ich haben uns als Sha la Pei lin (Sarah Palin) und An ge la Mei ke er (Angela Merkel) über die Bedrohung unterhalten, die Taiwan für die Welt darstellt (selbstverständlich auf Chinesisch). Palin, die Taiwan von ihrem Haus aus sehen kann, weiß, dass alle Nuklearwaffen der Welt heimlich „made in Taiwan“ sind (siehe Aufkleber). Und dass Taiwan Bären und Hornissen als Biowaffen züchtet. Und nun die Welt übernehmen will, weil die Welt sie nicht in die UNO lassen will. Merkels Lösung: Da wir Taiwans Wunsch aus politischen Gründen leider nicht erfüllen können, lassen wir das Land stattdessen anstelle der Schweiz Teil der EU werden. Und dann von EU-Richtlinien handlungsunfähig machen. Usw. Quatsch? Es war unsere Form der stillen Revolution chinesischer Art… Ursprünglich hieß es, die (benotete) Abschlusspräsentation könne von Theaterstück bis vorgetragenem Erlebnisaufsatz alles sein, solange wir dabei unsere in diesem Quartal erworbenen Sprachfähigkeiten präsentieren. Eine Woche vor der Präsentation hieß es plötzlich, ab einem gewissen Sprachniveau müsse es eine Rede oder eine Debatte über ein ernstes Thema sein. Alle Unmutsäußerungen waren zwecklos. Tadaaa. Anfang Januar beginnt ein neues Quartal mit neuen Lehrern, Büchern, Kommilitonen – auch wenn ich sehr gespannt darauf bin, freue ich mich im Moment noch viel mehr auf die Weihnachtsferien (die es in Taiwan sonst nicht gibt, aber Chinesisch Kurse zielen nun mal auf Ausländer ab Liebe Grüße aus Taipei! Kerstin PS Filmtipp: Crossing. Ein südkoreanischer Film über das Leben in Nordkorea bzw. das Schicksal von Flüchtlingen aus Nordkorea. Offensichtlich keine leichte Kost, ich fand den Film jedoch gut gemacht und extrem interessant. Ich war bei der öffentlichen Erstaufführung (für Taiwan) inklusive anschließender Podiumsdiskussion mit einem nordkoreanischen Flüchtling. Neben der Tatsache, dass ich fast alles verstanden habe, habe ich mich wieder über meine Entscheidung gefreut, nach Taipei zu kommen wo so eine Veranstaltung sowohl von kultureller als auch politischer Seite her möglich ist...
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Kommentare
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hey liebe kerstin,
das klingt doch insgesamt nach einem schönen wochenende und einem langsam zur ruhe kommen und auf urlaubsstimmung umsteigen! hoffe florian wird/ist gut angekommen und ihr verbingt einen super lustigen ersten abend! liebe grüsse nach taipei!
Was ein GEILES Lied! Hab's mir grad bei YouTube angehört... Florian, du wirst einen unglaublichen Ohrwurm mit nach Hause bringen, ich wette!
Gruß aus der Ferne Jana
Glaub ich auch
Heute Abend wurde das Lied sogar von einem Wagen auf einer Tempelprozession gespielt...
Hu- Erdbeben in Taiwan! Hast du es etwa wieder verschlafen? Hatten eine schöne Geburtstagsfeier mit Gedenkminute an dich
Nee, das Erdbeben war nachmittags und ziemlich kräftig. Habe es aber gut überstanden, bin da ja inzwischen ein alter Hase
Liebe Kerstin,
Dir ganz kurz und knapp: schöne Weihnachten! Ich freue mich, dass es Dir so gut in Taiwan gefällt. Nur eins habe ich an Deiner Geschichte nicht verstanden. Wieso konntest Du an einer Hochzeit nicht teilnehmen? Hättest Du nicht auch einen Platz reserviert bekommen können oder einfach hingehen können? Nungut, ich gebe zu, ich steh aufm Schlauch. Aber das macht ja nichts, denn Dein Wochende war ja auch so sehr schön. Bis bald (auch wenns noch länger hin ist) und liebe Grüße, Alexander
WO SIND BILDER VOM KÜHNEL????? Wir lechzen nach ihm. Jan und Tim
Das Bild vom Mazu Tempel ist so faszinierend!!!
Wünsch Dir Frohe Weihnachten und komm gut rüber nach 2010! |
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