Seit bald zwei Wochen habe ich mich nun schon nicht mehr gemeldet. Der Grund: Besuch aus Deutschland! Da Florian nicht nur das erste Mal in Taiwan, sondern zum allerersten Mal in Asien war, haben wir alles an touristischen Highlights mitgenommen, was geht.
Eigentlich sagen die chinesischen Wörter, die Florian in seiner Zeit hier gelernt hat, schon ziemlich alles über seinen Aufenthalt hier aus: neben xiexie (Danke) und ni hao (hallo) noch shuai ge (gutaussehender Kerl), hao chi (lecker), taiwan pijiu (Taiwan Bier) und waiguoren (Ausländer).
Wir haben es uns dabei richtig urlaubsmäßig gut gehen lassen:
- Pausenloses Essen, weil Florian ja soooo vieles noch probieren musste: Stinky Tofu, Taro-Kuchen, Nudeltaschenberge, Austernomelettes, Hot Pot, Sushi, chinesische Pfannkuchen, Klebreisbällchen, Muschelsuppe, Rettichfrühstückskuchen, noch mehr Hotpot, 7-11-Reistaschen, Baozi, Reisbrei mit Algen, Trockenfleisch, Erdnuss und Ei (traditionelles Frühstück), Tofu-Pudding mit Stärkebobbeln, viel frischen Fisch…
- Nicht ganz pausenloser aber doch häufiger Sonnenschein. Die ersten Tage in Taipei waren leider von Kälte und Regen geprägt – weswegen wir am 23.12. spontan auf die Inselgruppe Penghu geflogen und erst am 31.12. nach diversen Stopps nach Taipei zurückgekehrt sind.
- Pausenloses Komplimente empfangen: „Shuai Ge“ war eine von Florians ersten Vokabeln. Das heißt soviel wie „gut aussehender Kerl“ und wurde ihm ständig hinterher gerufen oder ins Gesicht gesagt (auch von Männern) – zum Teil verbunden mit direkten Heirats-Verkupplungs-Angeboten. Mein Chinesisch wurde mit zunehmender Entfernung von Taipei mit zunehmender Häufigkeit und mit abnehmendem Aufwand meinerseits gelobt – auf Penghu reichte schon ein ni hao für Begeisterungsstürme. Alles natürlich super fürs Selbstbewusstsein.
Was haben wir erlebt? So einiges… so viel, dass wir an dieser Stelle gar nicht von allen Abenteuern berichten können (ihr müsst es ja schließlich auch noch lesen und außerdem müssen wir auch ja noch irgendwas erzählen können). Daher folgt nun unsere Reise in Schlaglichtern:
1. Taipei
Charakterisierung: Hauptstadt und buntlaute Metropole. Offiziell 2,7 Mio, inoffiziell 5 Mio Einwohner.
Aktivitäten: Florian stellt fest: Des Taiwanesen Lieblingsbeschäftigungen sind Shoppen und Essen. Und wie der Engländer zu sagen beliebt: When in Rome, do as the Romans do. Also: Shoppen, shoppen, shoppen (kein Witz! Ja, DER Florian. Ich bin nun VIP-Kunde bei Esprit Taiwan. Und nicht wegen meiner Einkäufe). Essen, essen, essen. Dazu noch Erleben der vielen Facetten von Taipei: historische Museen und vor Menschen wie Sinneseindrücken überquellende Nachtmärkte, das hypermoderne 101 und heiße Quellen am Bergfluss, traditionelle Tempelprozessionen und japanische DJ-Mucke.
Erinnernswert: Das relativ starke Erdbeben an Florians zweitem Tag in Taipei – erschreckend daran waren allerdings eher die panischen Schreie meiner Mitbewohnerin. Florian hat sich gefreut.
Begegnungen: Unsere heiße Quelle am Fluss haben wir uns mit dem Schriftsteller Bei Ling geteilt, der dieses Jahr auf der Frankfurter Buchmesse für Furore gesorgt hat. An Florians letztem Abend (also: vorhin) waren wir bei ihm und seiner Freundin / Muse zum Essen eingeladen. Den Abend werden wir sicherlich nicht so schnell wieder vergessen.
2. Penghu
Charakterisierung: Wunderschöne vulkanische Inseln in Taiwans Südwesten – schwarzes Gestein, türkises Meer, blühende Kakteen, Palmen, Farne, Nadelbäume…
Aktivitäten: Schwimmen. Im Pazifik. An Weihnachten. Rollerfahren – einmal quer über drei Inseln hinweg. Essen essen essen.
Erinnernswert: Sonnenuntergang am Meer. Und Traumlandschaft.
Florian sagt: Der Roller. Rollerverleiher:„Wie Ihr habt keinen internationalen Führerschein? Nee, dann geht das nicht. Überhaupt nicht. Na gut, ich mach eine Ausnahme. Dann nehmt aber auch den 125er, der ist besser als die anderen Maschinen.“ (Zur Erklärung für Leute wie Kerstin: In Deutschland braucht man für so etwas einen Motorradführerschein)
Außerdem: Da es die Nebensaison war und Penghu fern von den Universitäten und Büros Taipeis etc. liegt, waren wir anscheinend zu dieser Jahreszeit die einzigen Ausländer dort. Vor allem für Florian eine neue Erfahrung, ständig zu hören „Guck mal, ein Ausländer!“ und nicht nur von kleinen Kindern bestaunt zu werden. Und wegen seines Dreitagebarts nicht nur bestaunt, sondern auch angesprochen und beinahe angefasst zu werden.
Heilig Abend mit traditionellem deutschen Essen. Naja, Ersatz. Billige Kopie desselben? Jedenfalls mit „Original German Sausage“ (einzeln eingeschweißt), Kartoffelchips (aufgrund fehlenden -salats), Rotwein (immerhin aus Frankreich). Dazu eine weihnachtliche Kerze (danke, Katrin!) und ein geklauter Nadelbaumzweig. Trotz oder gerade deswegen ein sehr schönes Weihnachten.
Begegnungen: In unserer „Stammkneipe“ (Kneipen sind hier noch kein so verbreitetes Konzept) auf Penghu haben wir mit den dort anwesenden Einheimischen (durchweg älter als wir) Trinkspiele nach taiwanesischer Art gespielt: Vollster Einsatz, zumindest in Sachen Begeisterung. Und das, obwohl einige Mitspieler Wasser tranken (und mit was für einem angeekeltem Gesichtsausdruck!) und kein Gast mehr als die Wirtin zu sich nahm.
3. Tainan:
Charakterisierung: Alte Hauptstadt Taiwans, heute viertgrößte Stadt des Landes. Bekannt als kulinarische und historische Hochburg.
Aktvitäten: Geschichtsstudien: Holländerforts und alte Tempel, Ethnologische Studien: Eingeborenentänze (auch in Taiwan gibt es Ureinwohner und Ureinwohnertourismus), Soziologische Studien: Familienbesuch. Und natürlich essen, essen, essen.
Erinnernswert: Laut Florian: Sushi und exzessives Hotpot-Essen mit der Familie
Begegnungen: Natürlich die taiwanesische Familie. Die nebenbei bemerkt versucht hat, den Shuai Ge zu verkuppeln – erst mit mir, dann mit diversen Freundinnen der Familie. Und Freundinnen von Freundinnen von….
4. Hualien:
Charakterisierung: Stadt im ruhigen Osten Taiwans. Liegt zwischen wilder Küste mit türkisem Meer und urwaldgrünen Bergen. Hauptexportprodukt: Marmor.
Aktivitäten: Wandern in der Tarokoschlucht – 7 Stunden lang bergauf eine viel befahrene und enge Bergstraße mit vielen langen und dunklen Autotunnels hoch. Mein Reiseführer sagt: „Viel empfehlenswerter (als per Fahrzeug) ist allerdings der leichte und trotzdem sehr schöne Fußmarsch (…, er) dauert (mit Gepäck) inklusive aller Stops maximal vier bis fünf Stunden.“ Schön ist die Strecke wirklich, die Straße führt an einem Fluss entlang, der sich durch steile und raue Marmorklippen windet. Zum Glück haben wir zudem einige Abstecher weg von der Straße hinein in die wilde Bergwelt machen können, die all die Autotunnels wieder vergessen machten. Wir waren dennoch mehr als froh, als uns, oben angekommen, gerade rechtzeitig der Bus nach unten entgegenkam!
Erinnernswert: Bierverkostung abends am Strand - von Taiwan Bier über Qingdao bis Kirin. Fazit: ein asiatisches Dosenbier schmeckt schlimmer als das andere. Macht aber nichts weil Strand einfach toll ist.
Begegnungen: Stereotyper Kalifornier mit seiner ebenso stereotypen taiwanesischen Freundin. Er: Designer (was auch sonst), Mitte vierzig, African American mit (weißem!) Hut und Glitzerkreuz, Hauptvokabeln: „crazy“ (Germans), „amazing“ und „good job“. Sie: Englischlehrerin Mitte zwanzig, unglaublich nett, schüchtern und etwas naiv. Sie wollte ihm das typische Taiwan zeigen, er wollte nichts Neues probieren und im Grunde nur Party machen. Nachdem wir die beiden abends in der Kneipe kennen gelernt haben, sind wir am nächsten Tag mit ihnen (im Auto ihrer Eltern) nach Taipei zurückgefahren. Wir waren bald 7 Stunden unterwegs – zunächst entlang einer der spektakulärsten und zugleich engsten Küstenstraßen der Welt (sagt Florians Reiseführer), schließlich durch die Rushhour der Millionenstadt Taipei – dank eines zunehmend aggressiven Fahrers beides Erlebnisse, die nicht unbedingt wiederholt werden müssen.
Zurück in Taipei haben wir ein sehr entspanntes Silvester mit Punk-/Rock’n’Roll-Konzert erlebt. Vom sehr spektakulären Feuerwerk auf dem 101 war leider von Kerstins Dach aus nach der Hälfte vor lauter Rauch kaum noch etwas zu sehen.
Nach 2 ½ sehr erholsamen Wochen können wir nun mit frischem Qi ausgestattet in das neue Jahr starten. Wir wünschen Euch allen „xinnian kuaile“ bzw. ein frohes neues Jahr!!
And don’t forget: NO DRUGS at the ratskeller!

Am Rande 1: „Florians kleine Getränkekunde“: Hier nun noch einige Einblicke in das interessante Trinkverhalten der Taiwanesen. Nicht nur, dass man, wenn man ein Bier bestellt, öfters mal gefragt wird, ob man es ‚on the rocks’ (also mit Eiswürfeln) haben möchte, nein, auch ein Radler wird statt mit Limonade wahlweise mit Orangen- oder Tomatensaft gemixt. Außerdem liebt der Taiwanese es, seinen Getränken verschiedene Gimmicks zuzufügen. So wird in die Eistees, die es überall zu kaufen gibt, beispielsweise entweder Vanillepudding, unterschiedliche Wackelpuddings (z.B. mit Grünteegeschmack), Weizenkeimlinge, gezuckerte Stärkebällchen (die je nach Größe übersetzt entweder „Perlen“ oder „Titten“ heißen) und ähnliches getan. Nimmt man einen tiefen Schluck, hat man den ganzen Mund voller süßer, klebriger Masse, die es irgendwie hinunter zu bekommen gilt – gerade wenn man vorher ausgiebig gegessen hat, ein mehr als zweifelhaftes Unterfangen. Auch Kerstins Aufmunterung („das ist doch auch nichts anderes als Gummibärchen“) konnte da nur wenig helfen.
Am Rande 2: „Florians kleine Musikkunde“: Wie von Kerstin angekündigt läuft hier überall der Superhit von der Superband „Superjunior“ „Sorry, Sorry, Sorry“ – z.B. auch auf einer religiösen Prozession zur 270-Jahrfeier eines Tempels (auf der auch von beleuchteten Wagen Kamelle in die zuschauende Menge geworfen wurden). Noch viel besser gefällt mir allerdings „Nobody“ – der neuste Hit der „Wonder Girls“, die damit Superjunior von Platz eins der Charts verdrängt haben. Ich empfehle jedem das zugehörige Video mit sehr lustigem Plot!